Woher kommt der Begriff „Bobath“?

„Bobath“ ist kein medizinischer Begriff, sondern der Name eines Ehepaares, dessen wegweisende Arbeit zu einem Therapie-Konzept führte: Bertha und Karel Bobath.
Sie, ursprünglich Gymnastiklehrerein, arbeitete mit Patienten, die spastische Lähmungen hatten und fand empirisch heraus, dass Spastizität zu beeinflussen ist; ihre Patienten konnten sich während und nach der Behandlung besser bewegen.
1943 heiratete sie Karel Bobath, einen Neurologen, der ihre Erfahrungen mit dem neurophysiologischen Hintergrund wissenschaftlich „untermauern“ konnte.
Gemeinsam entwickelten sie ein Therapie-Konzept, das sich speziell mit cerebral (also vom zentralen Nervensystem ausgehend) bedingten Bewegungsstörungen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen befasst.
Seit 1960 werden Ärzte, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten hierin ausgebildet.

 

Was ist das Besondere an dieser Therapie?

„Bobath“ ist keine feste Therapie-Form, sondern ein Konzept, das sich ständig weiterentwickelt.  Neue Impulse kommen z.B. durch:

Diese Offenheit und ständige Anpassung an aktuelles Wissen und bestehende Möglichkeiten war von den Bobaths immer erwünscht und von den Therapeuten gefordert!
D.h., es gibt keine festgelegten „Bobath-Übungen“, nach denen Ihr Kind „beturnt“ wird, sondern konzeptionelle Grundsätze, nach denen die Auswahl und Gestaltung der therapeutischen Inhalte erfolgt!

 

Um was für Grundsätze geht es?

Ein Kind lernt über das Spiel und sein Tun.
Daher ist es nur logisch, das Spiel und Alltagssituationen zu nutzen und in der Behandlung so zu gestalten, dass sie therapeutischen Effekt haben. Ihr Kind soll über sein aktives Planen und Handeln zu Problemlösungen kommen, wobei es die Aufgabe des Therapeuten ist, die notwendigen Hilfen und Unterstützung zu geben.

Ein Beispiel:
ein Baby, das ungern auf dem Bauch liegt, weil es bislang zu geringe Muskelkraft im Rumpf hat.

Der Therapeut –
sorgt für eine anregende Spielsituation:
z.B. kann dieses Kind auf einer Spiegelfolie liegend, sich selbst betrachten, statt immer nur den gleichen Anblick des Bodens zu haben.

schafft die biomechanischen Voraussetzungen für funktionelles Handeln:
Er wird diesem Kind durch eine Grifftechnik helfen, den Schwerpunkt zum Po zu verlagern, damit es leichter die Hände frei hat um damit zu spielen und z.B. nach dem Spiegelbild seiner Eltern zu greifen.

sorgt für geeignete Hilfsmittel und leitet die Eltern an:
Die Eltern werden gezeigt bekommen, wie sie ihr Kind zuhause mit einer Rolle unter dem Brustkorb lagern können, damit ihm die Bauchlage leichter wird und es so seine Muskulatur langsam stärken kann.

 

Ist die Behandlung belastend für das Kind?

Schmerz hat hier nichts zu suchen.
Ein neue Bewegungserfahrung wird dann freiwillig immer wieder ausprobiert und in das eigene Repertoire übernommen, wenn sie mit einem „Lustgewinn“, nämlich mit Spaß verbunden ist! Schmerz dagegen führt immer zu Abwehr, Rückzug und Vermeidungsstrategien. So wird es in einer Bobath-Behandlung  gelegentlich vorkommen, dass ein Kind vor Anstrengung „schimpft“, aber niemals wird die Therapie mit Schmerz verbunden sein.

 

Was macht Bobath zu einer ganzheitlichen Therapie?

Im Befund Ihres Kindes wird ein Bobath-Therapeut natürlich danach schauen, wie der derzeitige Stand seiner motorischen Entwicklung ist, d.h. welche Bewegungsabläufe es bereits beherrscht und welche Qualität diese haben.

Parallel dazu wird er aber auch nach seinem Entwicklungsstand auf der

Ebene schauen.

Es ist nun die Aufgabe des Therapeuten, klar zu sehen, was diese individuelle kleine Person an Anreiz, Unterstützung oder Hilfe benötigt, um im Rahmen seiner Möglichkeiten und seiner Beschränkungen funktionell selbständig und aktiv zu werden.
Denn so können wir (Eltern, Arzt und Therapeut gemeinsam!) die Wurzeln bieten, damit Ihr Kind später die Flügel so weit wie möglich ausbreiten kann...